Amundi CIO Views – Mai 2020: Covid-19 Nachbeben

Donnerstag, 07. Mai 2020

Märkte

In den „Amundi Global Investment Views - April 2020“ präsentieren  Pascal Blanqué (Group Chief Investment Officer) und Vincent Mortier (Deputy Group Chief Investment Officer) ihre aktuellen Einschätzungen der globalen Wirtschaft, der wichtigsten Wirtschaftsräume und der Investmentchancen.

Die wichtigsten Erkenntnisse :

Nachbeben: Covid-19 und die Folgen

Nach dem Abschluss des ersten Quartals, das als eines der schlechtesten in die Geschichte der Aktienmärkte eingehen wird, begann das zweite Quartal auf einem hohen Niveau. Der S&P 500 und der Euro Stoxx 600 konnten sich deutlich von den Tiefständen des Vormonats erholen. Am Aktienmarkt ringen Bullen und Bären um die Oberhand: Auf der Bullenseite sorgen die beispiellosen Eingriffe der Regierungen und Zentralbanken weiterhin für positive Stimmung, die Zahlen deuten auf abflachende Infektionskurven hin und die Wirtschaft könnte früher als erwartet wieder anlaufen. Auf der Bärenseite werden sich die schwachen Fundamentaldaten aus der Berichtssaison sowie die Gefahr, die von dem wachsenden Schuldenberg ausgeht, als Hauptrisiken erweisen. Das Tauziehen zwischen Stimmung und Fundamentaldaten ist nur die erste von vielen Schlachten, die derzeit ausgefochten werden. Entscheidend ist dabei vor allem das Duell zwischen Liquidität und Solvenz, bei dem es letztlich darauf ankommt, wie die Pandemie weiter verläuft. Wie lange sie dauern wird, ist die Schlüsselvariable. Wir gehen inzwischen von einer U-förmigen Erholung mit langer Bodenbildung und langsamer Erholung aus.

Aus der Sicht von Investoren leiten sich aus diesen Konflikten mehrere wichtige Schlüsse ab:

  • Kurzfristig ist Vorsicht geboten. Die Märkte gehen davon aus, dass es innerhalb der nächsten sechs Monate zumindest etwas Licht am Ende des Tunnels gibt. Diese Einschätzung ist jedoch zu optimistisch, denn die Wirtschaft lässt sich nicht einfach über Nacht wieder hochfahren. Außerdem ist bisher unklar, welche Verluste in der Wirtschaft und am Arbeitsmarkt vorübergehend sind – und welche Schäden bleiben werden.
  • Eine pandemiebedingte Desynchronisierung des Wirtschaftszyklus gehört zu den Begleiterscheinungen dieser Krise. Daher sollten sich Anleger darauf einstellen, dass die Erholung je nach Assetklasse oder Region unterschiedlich verlaufen wird. In China, dem Ursprungsland des Coronavirus, erholt sich die Wirtschaft langsam, in Europa und den USA verschärft sich die Lage. Als Erstes dürften die Unternehmensgewinne zurückgehen, später werden dann Insolvenzen dazukommen. Ein längerer Lockdown könnte auch die Risikoprämien im Immobiliensektor beeinflussen.
  • Mit dynamischer Liquiditätssteuerung durch ausreichende Liquiditätsreserven können Anleger auf günstige Bewertungen reagieren; gleichzeitig geraten sie so nicht in eine Liquiditätsfalle, sollten sich die Konjunkturprognosen verschlechtern. Daraus ergibt sich ein Barbell-Risiko-Exposure mit Risikopositionen, die von einer Erholung profitieren könnten, auf der einen und hohen Liquiditätsreserven auf der anderen Seite.
  • Eine Differenzierung der Risiken ist unerlässlich, da diese ungleich verteilt sind. Wir bevorzugen Unternehmensanleihen, da die an den Aktienmärkten eingepreisten Konjunkturprognosen zu optimistisch sind und die Maßnahmen der Regierungen und Zentralbanken eher auf die Rentenmärkte zugeschnitten sind. Bei Aktien konzentrieren wir uns auf zyklische Qualitätstitel, die am ehesten gestärkt aus der Krise hervorgehen könnten. Investoren sollten mögliche Folgen der Krise für jede Branche und für jedes Unternehmen einzeln analysieren. Sektoren mit hohen Fixkosten sind besonders gefährdet; besser steht es um solche Unternehmen und Branchen, die sich flexibel an die neue Realität der Pandemie anpassen können. Bei Unternehmensanleihen kommt es vor allem auf Schuldentragfähigkeit, Liquidität und die Eignung für die die Kaufprogramme der Zentralbanken an. In Schwellenländern achten wir auf Haushaltsdefizite, mögliche Risiken durch eine Aufwertung des US-Dollar sowie Ölabhängigkeit.

 

Die Covid-19-Krise wird die Welt verändern. Weil die Nachbeben gerade erst einsetzen, ist aktive und sorgfältige Titelauswahl jetzt besonders wichtig. Die Veränderungen kommen in Wellen, auf dem Weg zu einem neuen Gleichgewicht rechnen wir daher mit Volatilität. Durch immer größere Eingriffe von außen verändert sich dabei auch die Struktur der Kapitalmärkte, die Preisfindung wird chaotisch und kann Fallen für Investoren bergen. Von einer ersten Welle könnten die Märkte profitieren, in denen die Eingriffe zu Preisverzerrungen führen. So könnten etwa gewisse High Yield-Anleihen von den ersten Zentralbankinterventionen in Europa und den USA profitieren, allerdings in einer späteren Welle der Normalisierung unter Druck geraten.

Auch am Aktienmarkt könnten Überreaktionen günstige Bewertungen mit langfristigem Kurspotenzial zur Folge haben. Ein gutes Beispiel dafür ist die Luftfahrtindustrie: Von der Krise sind alle Fluggesellschaften gleichermaßen betroffen, doch Unternehmen mit soliden Bilanzen haben sehr viel bessere Chancen, die Krise auch zu überstehen. Die systemischen Verschiebungen haben außerdem erhebliche Auswirkungen auf das Tauziehen zwischen Inflation und Disinflation, das jetzt beginnt. Während der weltweite Nachfrageeinbruch zunächst für Disinflation spricht, könnten hingegen Konjunkturmaßnahmen (neue Schulden, mit Monetarisierung der Schulden, Regionalisierung vs. Globalisierung in der Handelsdynamik) die Inflation anheizen. In den vergangenen zehn Jahren haben wir uns an niedrige Zinsen und schwache Inflation gewöhnt. Jetzt steuern wir auf ein neues Gleichgewicht zu, das sich von dem alten deutlich unterscheiden wird. Bis dahin ist es jedoch noch ein weiter Weg. Aktuell erscheint es uns sinnvoll, vor allem auf ausreichende Liquiditätsreserven zu achten und aktiv in einzelne, sorgfältig ausgewählte „Risky Assets“ zu investieren.

Die vollständige Publikation „Amundi Global Investment Views – May 2020“ in der englischen Originalfassung finden Sie im " Amundi Research Center *"

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