Amundi CIO Views – Mai 2022: Drohende Divergenzen und die große Preisanpassung

Donnerstag, 05. Mai 2022

Märkte

In den „Amundi Global Investment Views – May 2022“ * präsentieren Vincent Mortier (Group CIO) und Matteo Germano (Deputy Group CIO) ihre aktuellen Einschätzungen zur globalen Wirtschaft, zu den wichtigsten Wirtschaftsräumen und den aktuellen Investmentchancen.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

Drohende Divergenzen und die große Preisanpassung

Wir beobachten erhebliche Divergenzen bei den Wirtschaftsaussichten (wir haben die Prognosen für die EU und China gegenüber der robusteren US-Wirtschaft nach unten korrigiert) und bei der Entwicklung der Märkte. Im Einzelnen:

(1) Inflationserwartungen - kurzfristiger Höchststand vs. langfristiger Anstieg: Während sich die kurzfristige Inflation abzuschwächen beginnt, zeigt sich auf lange Sicht immer deutlicher, dass die langfristige Inflation angesichts der geopolitischen Risiken und der Spannungen in der Lieferkette im Zuge des Lockdowns in Shanghai hoch bleibt (und schwerer umzukehren ist).

 (2) Rezessionsrisiken: Die US-Wirtschaft bleibt solide, während die Eurozone am stärksten dem Risiko einer Stagflation ausgesetzt ist. Wir werden sehr wahrscheinlich im zweiten Halbjahr zumindest eine vorübergehende Rezession erleben, die von Deutschland und Italien ausgelöst wird, während Frankreich und Spanien eine gewisse Widerstandsfähigkeit zeigen könnten. In China sehen wir das offizielle Wachstumsziel von 5,5 % für 2022 als schwer zu erreichen an.

 (3) Die Zentralbanken gehen unterschiedliche Wege: Die Fed könnte sich dem Club der Zentralbanken anschließen, die die Zinsen um 50 Basispunkte anheben, um so schnell wie möglich zu einer neutralen Politik überzugehen, während die EZB noch stärker von den Konjunkturdaten abhängig sein wird. Die Japanische Zentralbank (BoJ) bleibt bei ihrer Lockerungspolitik, und die Chinesische Zentralbank (PBoC) ist weiterhin entschlossen, den Leitzins zu senken.

 (4) Unternehmensgewinne - die Erwartungen sind noch hoch (mit regionalen Unterschieden), stehen aber einer schwachen Stimmung der Konsumenten gegenüber. Dies ist sicherlich eine wichtige Gewinnsaison, die es zu beobachten gilt, da jedes Anzeichen von Stärke bei den Unternehmen, das auf einen weiteren Inflationsschub hindeutet, den Handlungsdruck auf die Fed erhöhen könnte. In Europa wird das Hauptaugenmerk in der Gewinnsaison auf den Gewinnprognosen liegen, da eine Gewinnrezession aufgrund der Auswirkungen des Krieges immer wahrscheinlicher wird, die sich aber in den Zahlen dieser Saison wahrscheinlich noch nicht widerspiegeln werden.

Aus Investmentsicht sollten Anleger zwar eine neutrale Risikoposition beibehalten, aber es gibt Chancen, um diese Divergenzen in den verschiedenen Anlageklassen zu nutzen:

  • Bei den Anleihen reagierte der Markt schnell auf eine aggressivere Haltung der Fed. Die anfänglichen Bewegungen konzentrierten sich auf den kurzen Bereich der Kurve, aber in letzter Zeit ist auch der 10-jährige Bereich weiter gestiegen, wobei die 10-jährige Rendite die Marke von 2,9 % erreichte. Langfristig bleibt der Zinspfad zwar aufwärts gerichtet, aber angesichts der jüngsten Marktbewegungen ist es nicht mehr sinnvoll, bei der Duration so kurzfristig orientiert zu bleiben wie in der jüngsten Vergangenheit, insbesondere am Beginn der Kurve. Deshalb passen wir unsere Duration taktisch an. In Australien und Kanada sowie in Frankreich, wo die Ungewissheit über den Ausgang der Präsidentschaftswahlen die Spreads in die Höhe getrieben hat, gibt es taktische Relative-Value-Chancen und Chancen entlang der Zinskurve.
  • Am Devisenmarkt dürfte der Anstieg der Rohstoffpreise dem brasilianischen Real gegenüber dem US-Dollar zugutekommen, während der Russland-Ukraine-Konflikt weiterhin den Schweizer Franken gegenüber dem Euro stärkt. Wir bevorzugen auch den USD gegenüber dem Euro.
  • Wir bevorzugen in dieser Phase weiterhin Aktien gegenüber Unternehmensanleihen, aber die Auswahl ist bei den Aktien entscheidend. Die bevorstehende Gewinnsaison scheint für Europa schwieriger zu sein, und wir gewichten Europa relativ schwächer gegenüber den USA, da sich letztere als widerstandsfähiger erweisen dürften. Wir sind nach wie vor der Ansicht, dass eine Kombination aus Value- und Qualitätsaktien (mit einer weniger zyklischen Ausrichtung und einer Neigung zu Finanztiteln und defensiveren Value-Titeln) der beste Weg ist, um Chancen bei Titeln zu finden, deren Erträge weniger volatil sind und die weniger empfindlich auf steigende Zinsen reagieren. Die Preiskorrektur (nach unten) bei Growth-Aktien, insbesondere bei den am höchsten bewerteten Titeln, ist unserer Ansicht nach noch nicht abgeschlossen.
  • Bei Unternehmensanleihen sind wir weiterhin vorsichtig und haben uns zunehmend auf weniger riskante Titel verlegt. Auf der Suche nach Erträgen werden wir bei Emerging Markets-Anleihen positiver. Nach dem jüngsten Renditeanstieg dürfte der Markt des EMBI (Emerging Markets Bond Index) durch die sich stabilisierenden 10-jährigen US-Renditen, den allmählichen Rückgang des Ölpreises und die sich verbessernde Kluft zwischen den Schwellenländern und den USA unterstützt werden. Die EMBI-Zusammensetzung, die auf Lateinamerika und Rohstoffexporteure ausgerichtet ist, leistet ebenfalls einen positiven Beitrag.
  •  Diversifikation bleibt entscheidend. Wir sind der Ansicht, dass die Beimischung von Sachwerten in Bereichen mit höherer Inflationsresistenz (Infrastruktur, variabel verzinsliche Kredite und Immobilien) und der Einsatz von Strategien, die im Vergleich zu traditionellen Anlageklassen eine niedrige Korrelation aufweisen, helfen könnten, durch dieses unfreundliche Marktumfeld zu kommen.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Anleger im Zuge der großen Preisanpassung von Vermögenswerten darauf vorbereitet sein sollten, ihre Allokationen an die Inflation anzupassen. Bisher haben wir gesehen, dass der größte Teil der Preisanpassung bei Anleihen stattfindet. Wir gehen davon aus, dass es im längeren Bereich der Zinskurve und an den anfälligsten Aktienmärkten, an denen die Rezessionsrisiken zunehmen (z. B. europäische Aktien), weitere Preisanpassungen geben wird. Die Divergenzen an den Märkten werden jedoch Gelegenheiten bieten, das Risiko taktisch in Richtung der widerstandsfähigsten Bereiche zu kalibrieren.

Die vollständige Publikation „Amundi Global Investment Views – May 2022“ in der englischen Originalfassung finden Sie im Amundi Research Center.*

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