Amundi CIO Views – März 2021: Steigt jetzt die Inflation?

Montag, 08. März 2021

Märkte

In den „Amundi Global Investment Views – März 2021“ * präsentieren Pascal Blanqué (Group Chief Investment Officer) und Vincent Mortier (Deputy Group Chief Investment Officer) ihre aktuellen Einschätzungen der globalen Wirtschaft, der wichtigsten Wirtschaftsräume und der Investmentchancen.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

Steigt jetzt die Inflation?

 Schon zu Beginn des neuen Jahres stellten die Märkte das Mantra der ewig niedrigen Inflation infrage. Doch seit der Breakeven der zehnjährigen US-Inflation – also jenes Inflationsniveau, ab dem eine inflationsindexierte Anleihe mindestens dieselbe Rendite bringt wie eine vergleichbare herkömmliche Anleihe – im Februar den höchsten Stand seit 2014 erreicht hat, gewinnt die Inflationsfrage an Brisanz und die Märkte preisen höhere Inflationserwartungen ein. Auch Lebensmittel und Energie werden teurer. Trotzdem sind die absoluten Levels der Inflation noch immer gedämpft. Ein gewisser Inflationsdruckdruck ist in diesem Jahr schon wegen der Basiseffekte mehr als wahrscheinlich. Das Problem ist jedoch nicht dieser kurzfristige Inflationsanstieg, sondern der sich anbahnende langfristige Paradigmenwechsel. Heute stellen sich vor allem zwei Fragen: Auf welche Überraschungen müssen wir uns 2021 bei der Inflation einstellen? Und: Wird der Inflationsanstieg nur vorübergehend sein oder steuern wir auf eine längere Phase höherer Inflation zu? Das Thema Inflation findet jedenfalls wegen des erwarteten großen US-Konjunkturpakets und der absehbaren Nachfrageerholung im Zuge der voranschreitenden Impfkampagnen immer mehr Beachtung. Einige Ökonomen, darunter Summers und Blanchard, warnen bereits, das Volumen des Konjunkturpakets (1,9 Bio. USD) werde unweigerlich die Inflation anheizen. Andere sehen jedoch Spielraum für staatliche Hilfen, zumal sich der Arbeitsmarkt noch immer nicht erholt hat und schwaches Lohnwachstum die Inflation im Zaum halten sollte.

 Entscheidend ist jedoch, dass der Weg aus der Rezession dieses Mal ein ganz anderer ist als im Jahr 2008. Erstens handelt es sich um einen gewaltigen, jedoch vorübergehenden Schock, von dem sich die Wirtschaft sehr schnell erholen kann. Die Folgewirkungen sind nicht so dauerhaft wie die einer Finanzkrise. Zweitens dürften die hohe Liquidität im Finanzsystem, höhere private Einkommen und Ersparnisse sowie der starke Vermögenseffekt die angestaute Nachfrage ankurbeln. Dieser Cocktail könnte die Inflation weiter anheizen. Drittens besteht die Gefahr, dass die Zentralbanken in ihrem Mantra niedriger Zinsen und expansiverer Politik gefangen bleiben, mit denen sie die Wirtschaft wieder ankurbeln und gesellschaftliche Probleme lösen wollen.

 Das große Konjunkturpaket könnte eine deutliche Erholung einleiten, die nicht nur Inflationsdruck erzeugt, sondern auch die Divergenzen zwischen den USA und anderen Industrieländern verstärkt. Short-Positionen im US-Dollar ließen sich dann nur schwer argumentieren und US-Anleihen würden in der aktuellen Zinswüste an Attraktivität gewinnen. China und andere asiatische Länder befinden sich weiterhin auf dem Weg der Erholung, was sich an der Aktienrallye zu Jahresbeginn zeigte. Für Anleger ist Asien weiterhin attraktiv: Die Region zog auch im vergangenen Jahr in einem insgesamt schwachen Umfeld beständig ausländische Direktinvestitionen an, dabei konnte China die USA zum ersten Mal überholen. Es gibt hier auch Anzeichen für eine Abkühlung, schaut man sich jedoch die Veränderung des PMI (Einkaufsmanagerindex) in den vergangenen drei Monaten an, dann gehören China und Indien zusammen mit den USA zu den Spitzenreitern. Die indische Regierung setzt mit ihrem neuen Haushalt auf Wachstum und dürfte damit auch Investoren zurückholen.

 Aus unserer Sicht könnten folgende strategische Maßnahmen im derzeitigen Umfeld sinnvoll sein:

  • Aktien gegenüber Anleihen weiterhin bevorzugen

Wegen der anhaltenden Reflation sollten Anleger nach unserer Auffassung weiterhin Aktien, und hier insbesondere zyklische Märkte (Japan, asiatische Schwellenländer) gegenüber Anleihen bevorzugen; außerdem könnten Investitionen in Märkte mit Aufholpotenzial (Russland) sinnvoll sein. Anleger sollten jedoch die Auswirkungen der Inflation auf die Eingangspreise (und damit die Gewinne) im Auge behalten, die zunehmend für Diskussionen sorgen. Am Aktienmarkt kommt es daher immer mehr auf sorgfältige Auswahl an. Aus unserer Sicht sind solide Unternehmen interessant, bei einer Präferenz von Value- gegenüber Growth-Aktien, was ein mehrjähriger Rebalancing-Trend sein könnte. Kurzfristig könnte jedes Anzeichen einer Verlangsamung der Wirtschaftstätigkeit diese Rotation unterbrechen, aber wir glauben, dass dies nur vorübergehend wäre und durch eine Versteilerung der Renditekurve und einen Zinsanstieg weiter verstärkt wird.

  • Aufbau Unternehmensanleihen

Bei Unternehmensanleihen kann es Sinn ergeben, eher risikoorientiert zu bleiben. Die Zentralbanken stützen den Markt weiterhin durch Anleihekäufe und kaufen dabei zunehmend auch nachhaltige Anleihen (Green und Social Bonds), weshalb der Ausbau entsprechender Positionen vorteilhaft sein kann. EZB-Ratsmitglied Villeroy etwa hat sich vor Kurzem dafür ausgesprochen, die Bilanz der EZB zu dekarbonisieren, und auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat die Bereitschaft der EZB unterstrichen, den Kampf gegen den Klimawandel aktiver zu unterstützen. Dies ist nur der Anfang eines Trends, der sich unserer Meinung nach fortsetzen wird, da die Mandate der Zentralbanken beginnen, sich an das neue Paradigma nach der Covid-Krise anzupassen (enormer fiskalischer Druck zur Bekämpfung der Pandemie und Übergang zu einer grüneren Wirtschaft und einem integrativen Wachstumsmodell).. 

  • Aufbau Inflationsschutz

Durch eine Anlagestrategie, die auf einen möglichen Inflationsanstieg ausgelegt ist, sollten Anleger nach unserer Auffassung allmählich einen Inflationsschutz aufbauen. Dies würde sich auf die Sektorallokation auswirken, mit Tendenz zu Sachwerten wie Rohstoffe, Energie und Infrastruktur. Bei Einzeltiteln sehen wir Unternehmen mit moderater Verschuldung, realistischen Bewertungen und Preisgestaltungsmacht als vorteilhaft.

Die vollständige Publikation „Amundi Global Investment Views – March 2021“* in der englischen Originalfassung finden Sie im Amundi Research Center*.

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